Unser Großvater
Heute habe ich das Bedürfnis, auf diesem Wege meines
Großvaters zu gedenken. Er, Anton Krause, wurde am 12. März
1871 in Polkeim, Kr. Rößel, geboren. Bis heute denken wir, die
noch lebenden Enkelkinder, immer wieder an ihn. Er war für uns alle
ein Vorbild; auch bekannte Seeburger (denn da hat er gelebt) halten ihn
in guter Erinnerung.
Die Schwester unseres Erzpriesters Zint traf ich 1947
in Werl. Nachdem ich ihr erklärte wer ich bin, meinte sie, „ach die
Enkeltochter von Herrn Krause". Mein Bruder und ich haben ihn immer den
kleinen Borjemester (Bürgermeister) genannt. Er hat immer für
alles gesorgt. Vor allem, daß bei uns in der Fastenzeit der Fisch
nicht ausging.
Frau Kroschiwski (Lehrer) meinte, Herrn Krause haben
wir viel zu verdanken. Er sorgte für uns; vor allem im Winter mit
Brennmaterial. Wir sind jetzt in der Lage, für ihn etwas zu tun.
Leider war mein Großvater 1946 in Augsburg verstorben.
Bevor Großvater die Flucht antrat, sorgte er für die französischen
Gefangenen, indem er ihnen Wagen und Pferde besorgte, damit auch die Gefangenen
vor den Russen flüchten konnten.
Selbst die Sprache der Gefangenen hat er im Alter teilweise
noch gelernt. Zunächst die der Polen, dann die der Franzosen. Es gehörte
zu seinen Aufgaben, unter der Leitung von Herrn Stromberg, die Arbeit der
Gefangenen einzuteilen.
Für seine Enkelkinder hatte er immer ein offenes
Ohr und nicht zuletzt auch ein offenes Portemonnaie. Wenn es Zeugnisse
gab, wurden gute Zensuren hoch belohnt. Er hatte auch einige Neffen, die
ein Priesterseminar besuchten, auch diese wurden von ihm nie ohne „Etwas"
fortgeschickt. Bis heute bin ich keinem Menschen begegnet, den ich so verehre
wie ihn. Dieses soll es gewesen sein einmal allen sagen wie er war.
Christine Huch, geb. Krause
aus dem Rößeler Heimatboten vom Juni 1997, Nummer 2, 44. JAHRGANG