Einleitung.
Mitten im Schwabenlande, dort wo an der
südlichen Gränzmark des neuen deutschen Reiches auf steilem
Felsen die Zollernburg sich erhebt, unfern des Hohenstaufen, an welchen
so viele vaterländische Erinnerungen sich anknüpfen, stand
die Wiege eines Geschlechtes, das wie wenige im Laufe der Jahrhunderte
sich ausgebreitet, Macht und Ansehen, Güter und Besitz gewonnen
und in unsern Tagen dem neuen deutschen Kaiserthum seinen ersten
Schirmherrn gegeben hat. In deny Jahrbüchern der Völker- und
Kriegsgeschichte werden viele hervorragende Mitglieder dieses edlen
Hauses mit Ehren genannt; aber auch die Kirche zählt unter ihren
Heiligen einen Sprossen des Hohenzollerngeschlechtes, den h. Meinrad,
den Begründer des weltberühnten Gnadenortes Maria-Einsiedeln.
Und nach ihm entstammten viele andere Diener des Heiligthums demselben
Hause: einfache Mönche und reichbegüterte Prälaten,
still und verborgen wirkende Priester und einflussreiche
Kirchenfürsten; unter ihnen einstweilen als der letzte, wenn auch
nicht als der geringste last not least — der Fürstbischof von
Ermland Prinz Joseph von Hohenzollern, dessen Briefe und
Tagebücher hier zuerst der Oeffentlichkeit übergeben und
durch eine kurze einleitende Orientirung über sein Leben und
Wirken dem allgemeinen Verständnisse mehr erschlossen werden
sollen.
Joseph Wilhelm
Friedrich Reichsgraf von Hohenzollern-Hechingen, am 20. Mai 1776 zu
Troppau im östreichischen Schlesien geboren, war der älteste
Sohn seines gleichnamigen Vaters, welcher sich mit der Gräfin
Ernestine von Sobeck-Kornitz vermählt hatte und im J. 1812 im
Alter von 86 Jahren als kaiserlich östreichischer
Cavalleriegeneral zu Brünn starb. Wie seine beiden jüngeren
Brüder Hermann und Karl, welche später Generalmajore, der
eine in preussischen, der andere in bairischen Diensten wurden, so
wollte auch Joseph ursprünglich Soldat werden und kam deshalb,
nachdem er die erste sorgfältige Erziehung im elterlichen Hause in
Wien genossen hatte, als neunjähriger Knabe auf die
Militärschule