Lehrer Zimmermann und der Nationalsozialismus

Lehrer Zimmermann war mindestens seit den zwanziger Jahren Lehrer an der Schule in Frankenau. Dieses schließe ich daraus, daß auch die Generation, die zwischen 1910 und 1920 geboren wurde, sich an ihn als Lehrer erinnern konnte.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderten sich auch die Verhältnisse in der Schule. Die Nazis strebten danach, daß widerspenstige katholische Ermland unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Nazis und ihre Organisationen hatten Schwierigkeiten, Fuß zu fassen. Die Jugendorganisationen des NS-Regimes wurden anfangs mehr oder weniger boykottiert.

Regelmäßig kontrollierte der staatliche Schulrat die Durchführung der nationalistischen Anordnungen in der Schule. In der Frankenauer Schule blieben wie im übrigen Ermland die Kreuze in der Schule hängen. Hauptlehrer Zimmermann wurde von der Schulbehörde aufgefordert, dem NS-Staat Referenz zu erweisen. Zimmermann hängte daraufhin jeweils ein Bild des Reichspräsidenten Hindenburg und eines des Reichskanzlers Hitler neben das Kreuz. Diese Maßnahme soll bei Frankenauern zu der Frage geführt haben, welcher der beiden Herren, denn dem Verbrecher entsprach, der nicht mit Christus zusammen auferstehen durfte. Wieviel Wahrheitsgehalt in dieser Anekdote liegt kann ich nicht beurteilen.

Schließlich zwangen die Nazis, Lehrer Zimmermann seinen Beruf aufzugeben. Er mußte unterschreiben, daß er auf Grund körperlicher und geistiger Schwäche seinen Beruf nicht mehr ausüben könnte. Sollte er sich weigern dies zu tun, würde er keine Pension erhalten. Diese Demütigung hat Lehrer Zimmermann zutiefst getroffen und er hat sie letztlich nie verwunden. Die Familie zog nach Allenstein.

In der Schule zu Frankenau gab es eine kleine Verabschiedung, bei der eine Schülerin ein Gedicht vortrug. Franz Krause von der katholischen Deutschen Jugendkraft (DJK) lud auch zu einer Abschiedsfeier ein, aber niemand außer seinen Geschwistern erschien.

Die Dorfjugend Frankenaus wurde immer mehr von Nationalsozialismus geprägt. Die Lieder und die Gedichte der Nazis wurden zum Teil begeistert gelernt, auch wenn die Eltern dagegen waren.

Am 21. Januar 1945 flüchtete Zimmermann mit Frau und Tochter nach Elbing, wo sein Sohn Josef Kaplan war. Josef blieb bei seiner Gemeinde in Elbing und starb dort am 10. Januar 1946. Bruno Schwark hat ihm ein Kaptel in dem Buch Ihr Name lebt gewidmet.

Josef Zimmermann starb 1954 in Tessin in Mecklenburg.

Meine Quellen:
Briefe von und Gespräche mit Thea Zimmermann und anderen Frankenauern.



Frau
Zimmermann, Hauptlehrer Zimmermann und ihr Sohn Kaplan Josef Zimmermann, anläßlich seiner Primiz
Ehepaar Zimmermann
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Aus dem Besitz von Thea Zimmermann

Das Ehepaar Zimmermann bei der Primiz von Pater Bellarmin Krause 1933

Die Zimmermanns bei der Primiz von Bruno Krause 1933
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